Songket Weberei

SONGKET
Handgewebte Seidenbrokatstoffe aus Bali

Songket Weberei in Indonesien

„Songket“ bezeichnet eine Webtechnik in Westindonesien, bei der in den Stoff zusätzliche Muster aus Gold- oder Silberfäden sowie bunten Zierfäden eingewebt werden, entweder lanciert über die ganze Breite oder broschiert nur in einzelnen Musterpartien. Auch die Stoffe selbst werden „Songket“ genannt. Neben anderen Teilen Westindonesiens wie Westsumatra (Minangkabau) oder Südsumatra (Palembang) ist in Bali die Songket-Weberei zur Hochblüte gelangt. Zentren der Songket Weberei in Bali sind unter anderem die Regionen Klungkung (Gelgel) und Karangasem (Sidemen). In der Songket-Weberei finden Seide, Baumwolle sowie Kunstseide Verwendung.

Songket Weberei in Bali

Die Kunst der Songket- Weberei in Bali ist eng mit Balis Königs- und Fürstenfamilien verknüpft. Die feinen Damen der Gesellschaft waren von den höfischen Künsten und Kunsthandwerken ausgeschlossen, da dies reine Männersache war. Doch wie allen Frauen Indonesiens war es ihnen erlaubt zu weben und so trugen sie auf ihre Weise mit der Songket-Herstellung zur Pracht- und Machtentfaltung der de Hofes bei. Bis vor kurzem stellten die Frauen der Brahmanenkaste (der höchsten Kaste in Bali) Songkets nur für den Eigenbedarf her. Songket war den oberen Kasten vorbehalten und deren Erkennungsmerkmal. Erst in letzter Zeit hat eine soziale Demokratisierung stattgefunden und so kann jeder, er über die finanziellen Mittel verfügt, Songket-Textilien erstehen.

Bali ist bekannt für sein reichhaltiges kulturelles und zeremonielles Leben. Prächtige Farben dominieren das Bild zahlreicher Zeremonien: prachtvoll gekleidete Menschen, üppig dekorierte Tempel, kunstvoll arrangierte Opfergaben. Songket-Stoffe sind fixer Bestandteil einer solcher Zeremonie: Als Hüfttücher der Frauen, Oberhüfttuch der Männer, als Kleidung der reich geschmückten Tänzerinnen finden die prächtigen Goldgewebe Verwendung.

Songket- ein hochspezialisiertes Handwerk

Das Weben von Songkets ist ein hochspezialisiertes Handwerk. Bei der Herstellung eines Tuches handelt es sich um einen äußerst komplizierten und zeitaufwändigen Arbeitsprozess. Dabei werden alle Arbeitsschritte von Hand ausgeführt, da aufgrund des komplizierten Webverfahrens keine maschinelle Verarbeitung möglich ist.

Songket Weberei – ein langwieriger Arbeitsprozess

Die verschiedenen Arbeitsschritte werden oft von mehreren Spezialistinnen ausgeführt. Einer der anspruchsvollsten Arbeiten im gesamten Herstellungsprozess ist die Musterprogrammierung, d.h. die Vorbereitung des mit Goldfäden bzw. Zierfäden eingewebten Muster. Allein dieser Vorgang dauert ein bis zwei Tage und erfordert große Kunstfertigkeit und Erfahrung.

Das Weben selbst erfolgt auf einem traditionellen Webstuhl mit dem lautmalerischen Namen „cagcag“. Da man mit dem Webstuhl nur Stoffe mit beschränkter Breite herstellen kann, werden für ein Hüfttuch schließlich zwei Stoffbahnen zusammengenäht. Die Weberin sitzt beim Weben mit ausgestreckten Beinen am Boden. Der Webprozess ist langwierig und erfordert von den Weberinnen Ausdauer und großes Geschick. Nicht selten dauert die Fertigstellung eines Songkets mit aufwändigem Muster mehrere Monate.

Songket – kostbare Textilien

Es darf also nicht verwundern, dass Songkets für die meisten BalinesInnen unerschwinglich sind, vor allem wenn sie aus Seide hergestellt sind. Deshalb werden Songkets nur zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Zahnfeilunszeremonien oder hohen Tempelfesten verwendet.

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