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Die Kantha-Stickerei Bihars und West-Bengalens

Kantha StickereiKantha – eine alte, kunstvolle Sticktradition
Frauen der ländlichen Regionen Nord-Bihars üben eine uralte Sticktradition aus, die als sujni-kantha bezeichnet wird. Heimtextilien wie Wandbehänge, Bettüberwürfe, Zierkissenbezüge sowie Schals, Saris, Kleider und Kurtas (Hemden) werden mit einer Kombination aus einem fortlaufenden Stich und einem Kettenstich bestickt.

Bengalisches Dorfleben live – kunstvoll gestickt auf Textilien
Die ursprünglichen Designs erzählen vom Rhythmus des täglichen Lebens der Frauen und von ihrer unmittelbaren Umgebung: Immer wieder tauchen Bäume, Tiere des Waldes und Vögel als Motive auf. Andere „gestickte Geschichten“ haben die Abenteuer von Gottheiten und Helden aus der Hindu-Mythologie zum Inhalt. Ein weiteres häufiges Design besteht aus einem zentralen Mandala, in dessen Mitte sich eine Lotusblüte befindet, und einem Paisley in jeder Ecke.

Gestickte Gesellschaftskritik
Seit einiger Zeit werden zunehmend soziale und politische Themen mit Hilfe der kantha-Designs ausgedrückt: es ist ein Mann zu sehen, der die Hand gegen seine Frau erhebt oder Personen, die offensichtlich einen Streit ausfechten. Das ländliche Nordbihar ist nach wie vor von sehr konservativen, patriarchalen Strukturen geprägt. Allwöchentlich berichten die Lokalzeitungen über Fälle von dowry-Morden (Mitgiftmorden) und der Tötung von neugeborenen Mädchen. Frauen haben kaum die Möglichkeiten, den dörflichen Bereich zu verlassen. Daher ist der Stoff, den sie besticken das einzige Medium, um ihre Sorgen und Anliegen zum Ausdruck zu bringen. An großen Stücken arbeiten mehrere Frauen Seite an Seite. Die Nähe ermöglicht ihnen nicht nur den gegenseitigen Austausch von Motiven und Ideen, sondern auch das Teilen von persönlichen Fragen und Problemen.

Stoffe erzählen Geschichten
Für die meisten Wohntextilien wird ein dicker beigefarbener markee-Stoff benutzt. Seltener wählen die Stickerinnen einen braunen oder schwarzen Hintergrund. Für Schals, große Tücher und Jacken wird Tussar-Seide bestickt. Den Frauen ist es ein Anliegen, nur lokal erhältliche Stoffe zu verwenden. Jede Stickerin überlegt sich für jedes neue Stück eine Geschichte, die Komposition der Geschichtsinhalte und die Farbgestaltung. Die sujni-kantha Stickerei ist trotz der relativ einfachen Stiche äußerst arbeitsintensiv. Die Umrisse der einzelnen Motive werden zuerst mit Kettenstichen auf den Stoff „gezeichnet“ und anschließend füllt man das Motiv mit kleinen fortlaufenden Stichen in verschiedenen Farben.

Frauen verfügen über ein eigenes Einkommen
Die autonome Kooperative „Mahila Vikas Sahyog Samiti“ beschäftigt heute circa 600 Frauen aus 22 Dörfern rund um Bhusura (Nordbihar). Damit haben die Frauen endlich die Möglichkeit eigenes Geld zu verdienen, über das sie selbst bestimmen können. Die Stickarbeit ist in vielen traditionellen Gesellschaften die einzige Lohnarbeit, die den Frauen von ihren Familien und Schwiegerfamilien gestattet wird, denn die Stickereien werden in reiner Heimarbeit erzeugt. Für die Stickerinnen hat dies den Vorteil, sich die Zeit frei einteilen zu können, um auch ihren häuslichen Pflichten nachzukommen.

Neues Design für alte Kleider
Eigentlich kann von jeder Frau dieser Region behauptet werden, dass sie Kantha stickt. Oft werden zwei oder mehrere alte, zerschlissene Kleidungsstücke wie z.B. Saris übereinander gelegt und mit einem fortlaufenden Stich zu einer Decke zusammengenäht. Diese wird dann mit vielen kleinen Stickmuster über und über verziert. Entstanden ist die Stickkunst aus dem Kunststopfen armer Familien. Frauen taten schon immer ihr Bestes, die abgetragenen Kleider der Familie kunstfertig zu reparieren und Risse, Löcher oder fadenscheinige Stellen mit hübsche Stickereien zu kaschieren.
Das Sanskrit-Wort „kontha“ bedeutet eigentlich Lumpen. Eine Legende erzählt, dass sich auch Buddha und seine Anhänger in alte Lumpen gehüllt haben, die aus verschiedenen Kleidungsstücken pachwork-artig zusammengenäht und bestickt waren. Alte Stoffreste werden auch oft an Tempelvorsprünge oder an Baumäste geknotet. Sie haben rituelle Bedeutung, fungieren als Gebete und sollen mithelfen, den „bösen Blick“ abzuwenden.

Vielfalt an Motiven, Stickstichen und Verwendungsmöglichkeiten
Die einfache, fortlaufende Kantha-Stickerei hat, je nach der Anordnung und Positionierung der Stiche, verschiedene Namensbezeichnungen. Z.B. Jhod bezeichnet eine paarförmige Anordnung, unter Golak Dhaga versteht man ein labyrinthartiges Muster, Jhinge Phool sieht aus wie kleine Blumen, Dhaan Chori ähnelt einer jungen Reispflanze und Jaal sieht aus wie ein Maschendraht.
Genauso wie die Bezeichnung der Stichmuster individuell ist, unterscheidet man auch verschiedene Kategorien von fertigen Kantha-Stickereien. Sujni Kantha beispielsweise sind grosse Stücke, die als Decken oder rituelle Verhüllungen genommen werden. Unter Rumal Kantha versteht man wiederum Taschentücher oder Zierdecken für Teller und Platten, die ein zentrales Lotosmotiv aufweisen. Lep Kantha sind mehrlagige, wärmende Schultertücher. Baithon Kantha sind reich bestickte Hüllen für Bücher und andere wertvolle Gegenstände mit aufwändigen Bordüren.

 

Bandhani - Färbetechnik

bandhaniEin spezielels Färbeverfahren
Bandhani ist ein spezielles Färbeverfahren, bei dem Seiden- oder Baumwollstoff an vielen Stellen mit Baumwollfäden fest abgebunden wird, bevor er in eine Farbösung getaucht wird (Tie-dye).

Zauberhafte Effekte durch aufwändige Abbindetechnik
Je nach der Art der Abbindetechnik ergeben sich verschiedene punkt- oder streifenförmige Muster, die eigene Bezeichnungen - Leheriya, Mothra, Ekdali und Shikari – haben. Je feiner das Muster sein soll, umso aufwändiger muss abgebunden werden. Besonders glatte Seide abzubinden ist eine Herausforderung für die KunsthandwerkerInnen. Die erzielten sternschnuppengleichen Effekte mit feuerwerksartigen Farbekombinationen belohnen jedoch den Aufwand.

Pflege: chemische Reingung

Batik

BatikBatik – Zentrum: die indonesische Insel Java
Ein berühmtes Zentrum der Batikherstellung ist die indonesische die Insel Java. In Java wird Batik in zwei unterschiedlichen Verfahren hergestellt, die des öfteren auch auf einem Textil angewandt werden: Batik Tulis (tulis = schreiben) und Batik Cap (cap = Stempel).

Der Stoff wird vorbereitet
Damit der Stoff die Farbe besser aufnehmen kann, wird der Stoff zum Präparieren in einer Lauge aus Reiswasser, Kalk oder Bambusblättern gekocht, getrocknet und mit einem Hozschlägel bearbeitet. Danach wird flüssiges Wachs auf den Stoff aufgetragen. Die gewachsten Stellen werden im anschließenden Färbeprozess von der Farbe ausgespart.

Batik Tulis – das Muster wird mit Wachs gezeichnet
Bei der Batik Tulis wird mithilfe eines Kupferkännchens (canting) das heiße Wachs auf den Stoff aufgetragen. Dieses Kännchen hat mehrere Gießröhrchen mit verschiedenen Durchmessern. Dadurch ist es möglich, sehr komplizierte Muster, die aus verschieden dicken Linien und Punkten bestehen, aufzutragen bez. zu „schreiben“ (tulis bedeutet aud
Indonesisch „schreiben“).

Eine aufwändige und anspruchsvolle Technik
Um eine besonders exakte Musterung zu erzielen, werden die Wachsmusterungen auf der Rückseite des Stoffes noch einmal nachgezogen. Dann wird der Stoff gefärbt. Jene
Stellen, auf die Wachs aufgetragen wurde, bleiben ungefärbt. Danach wird das Wachs abgekratzt oder durch Auskochen entfernt. Für die nächste Farbe wird der Prozess
wiederholt: zuerst wird das Wachs aufgetragen, dann gefärbt.
Batik Tulis ist eine sehr anspruchsvolle, arbeitintensive und zeitaufwändige Technik. Dabei tragen die Frauen das Wachs auf, das Färben wird hingegen von den Männern
ausgeführt.

Batik Cap – das Wachs wird mit dem Stempel aufgetragen
Bei der Batik Cap wird das flüssige Wachs mithilfe eines Stempels, der dem Muster entsprechend aus Kupferblech angefertigt wurde, auf den Stoff aufgetragen. Auch hier
werden in mehreren Färbeprozessen die Farben aufgetragen. Batik Cap wird nur von Männern hergestellt.

Da die kunstvollen und exakt gezeichneten Batik Tulis Textilien wesentlich arbeitsaufwändiger sind, werden sie im allgemein höher geschätzt als Batik Cap
Textilien.

Verwendung von Batik Tüchern
Traditionell werden Batiktücher vor allem als Hüfttücher (sarongs), Brusttücher und Kopftücher getragen, doch auch Kleidung im westlichen Stil und Heimtextilien werden
aus Batiktoffen hergestellt.



 

Besticktes Leder

Buntes Spiel mit Farben und Materialien
Aus gegerbten Kamelhäuten, bunten Fäden, kleinen Spiegeln und Baumwollstreifen zaubern die Kunsthandwerker der ethnischen Gruppe der Meghwal erstaunlich farbenfrohe und edle Wandbehänge, Bilderrahmen, Pantoffeln, Umhängetaschen, Untersetzer, Schatullen und andere nützliche und dekorative Gegenstände aus Leder.

Die Lederverarbeitung von Hand ist ein Paradebeispiel für ein Kunsthandwerk, das das dörfliche Milieu hinter sich gelassen und den urbanen Markt erobert hat. Sowohl
Rohmaterialien als auch Arbeitskräfte stammen aus den Dörfern, die ansprechenden Produkte finden bereits Anerkennung auf dem Weltmarkt.

Legendäre Stickstiche
Eine Legende erzählt, dass Krishna, der blauhäutige Gott des Hinduismus, einst einen Dämon tötete und eintausend Frauen aus dessen Gefangenschaft befreite. Die dankbaren Frauen folgten ihrem Gott bis nach Dwarka und brachten eine reiche Sammlung an Stickstichen aus tausend verschiedenen Regionen mit. Daher hat die Region Kachch in Gujarat den Ruf, die weltbeste Kunststickerei – sei es auf Stoff oder Leder – hervorgebracht zu haben.

Arbeitsteilung
Die ethnische Gruppe der Marwada Meghwal ist berühmt für ihre unkonventionellen Pachwork- und Lederarbeiten. Die ursprünglich aus Rajasthan stammenden Meghwal sind vor
Generationen in die Region Kachch eingewandert, wo sie engen Kontakt mit muslimischen Viehhirten und Kamelzüchtern haben. Diese sind die Lieferanten der gegerbten Häute.
Im Meghwal- Haushalt herrscht Arbeitsteilung. Die Männer sind für den Zuschnitt und die Verarbeitung des Leders zuständig, während die Frauen die halbfertigen Produkte mit
kunstvollen Stickereien verzieren.

Die Zähigkeit des Kamelleders garantiert Haltbarkeit und Formschönheit. Um die Lederprodukte interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, stanzen die
Kunsthandwerker fantasievolle Muster in das Material und unterlegen die Lochmuster mit buntem Baumwollstoff oder färben auch das ganze Produkt ein. Der Saum wird oft mit
verschiedenfarbenen Wollfäden verziert.

Beispiele weltbester Kunststickerei finden Sie in unserer Gujarat-Kollektion!

 

Hand-Block Druckverfahren (Ajrakh)

Hand-Block-Print StempelBlockprint – ein arbeitsintensives Kunsthandwerk
Unsere Überdecken und Tischtücher aus 100% Baumwolle werden von Hand mit Holzdruckstöcken bedruckt.

Holzdruckstöcke (Stempel) mit komplizierten Mustern
Das Bedrucken von Stoffen ist ein äußerst arbeitsintensives Kunsthandwerk. Zuerst werden die Druckstöcke gefertigt. Hierzu schnitzen erfahrene Meister komplizierte Muster in handliche Teak-Holzstücke.

Dann muss der Stoff vorbereitet werden. Dafür werden die blanken, frisch aus der Weberei kommenden Stoffbahnen in Wasser, das mit Soda, Kameldung und Rizinusöl versetzt ist, gewaschen. Darauf folgen noch mehrere Spüldurchgänge in klarem Wasser. Durch diesen Prozess läuft der Stoff etwas ein und wird aufnahmefähiger für die Farbe.

Facettenreiches Muster durch mehrmaliges Auftragen

Blockprint Jaipur Schließlich geht der Drucker ans Werk. Die Holzstempel werden entweder in pflanzliche oder chemische Farbbäder getunkt und in regelmäßigen Abständen auf die aufgespannte Stoffbahn gepresst. Um ein facettenreiches, buntes Muster zustande zu bringen, sind viele Druckabläufe mit verschiedenen Stempeln nötig. Diese Arbeit erfordert viel Erfahrung, Übung und äußerste Genauigkeit. Denn wenn sich nur eines der Druckmuster verschiebt, ist die Harmonie und Gleichmäßigkeit des Gesamtergebnisses gefährdet und der Stoff wird unter Umständen wertlos.

Pflegehinweis: Handwäsche oder Maschinenwäsche mit Schonprogramm und sanften Waschmitteln, niedere Schleudertouren

 

Dhokra-Metallkunst

DhokraherstellungMetallkunst aus Westbengalen und Chattisgarh
Im tribalen Gürtel Westindiens, der Gebiete von Jharkhand, Orissa, Chattisgarh und Andhra Pradesh umfasst, leben die Dhokra. Unter diesem Namen sind verschiedene Gruppen von Schmieden zusammengefasst, die das Metallgussverfahren in verlorener Form anwenden.

Dhokra – erstklassige Kusthandwerker aus der Kaste der Schmiede
Die Schmiedekasten haben allgemein einen sehr niederen sozialen Stellenwert, obwohl sie einen bedeutenden Beitrag für die dörfliche Wirtschaft leisten. Schließlich sind die Schmiede für die Herstellung und Reparatur der landwirtschaftlichen Geräte unabkömmlich. Unter den Dhokras finden sich auch viele erstklassige Kunsthandwerker. Sie stellen Götterfiguren, Tierfiguren, Glocken und verschiedenste Dekorgegenstände her. Die Kunsthandwerkstücke werden nach ihren Erzeugern ebenfalls Dhokra genannt.

Einzigartig: Guss in verlorener Form
Für das Metallgussverfahren in verlorener Form muss für jedes Objekt eine eigene Form ausgearbeitet werden, die nach dem Brennen zerschlagen wird. Daher ist jede Figur ein Einzelstück.

Die Figur wird aus Wachs und Ton gestaltet…
Der Metallkünstler beginnt mit der Feuerung eines Gussofens und der Zubereitung einer Masse aus Wachs, Harz und Öl, aus der das zu gestaltende Objekt geformt wird. In meditativer Ruhe visualisiert der Künstler das fertige Objekt, bevor er dem Wachsklumpen seine endgültige Gestalt gibt. Das fertige Wachsmodel wird mit pancha-varna (den fünf Farben) purifiziert.
Bevor das Wachsmodel mit einer Lehmschicht umhüllt wird, müssen heikle Stellen, wie die Übergänge vom Rumpf einer Figur zu den Gliedmaßen noch mit Kupferdraht oder Nägeln verstärkt werden. Die Verstärkungen beugen einem Brechen dünner Teile vor und können nach dem Schmelzen des Wachses problemlos entfernt werden. Bei größeren Stücken oder wo es die Form erfordert (wie etwa bei Gefäßen, Glocken etc.), modelliert der Künstler das Wachs um einen festen Kern aus Ton. Dieses Wachsmodell wird anschließend mit einem Mantel aus Ton umgeben.

Dann gebrannt… und die Gussform zerbrochen…
Neben der groben Modellierung kommen auch verschiedene Ausschneide- und Applizierungstechniken zum Einsatz. So werden z.B. Muster in das Wachs geschnitten oder hauchdünne Wachsfäden streifen- kurven- oder spiralförmig appliziert. Nach dem Aushärten und dem Trocknen der Gussform wird sie gebrannt, wobei das Wachs im Innern schmilzt.
Das flüssige Wachs wird nun durch eine kleine Öffnung ausgegossen, in die anschließend das geschmolzene Metall eingefüllt wird.

Schließlich kommt das Kunstwerk zum Vorschein
Sobald das Metall abgekühlt und hart geworden ist, kann die Gussform zerbrochen werden. Das Kunstwerk kommt zum Vorschein und erhält jetzt noch den letzten Schliff durch das Abfeilen rauer Stellen und eine anschließende Politur. Größere Gefäße werden meist in mehreren Teilen gegossen und erst dann zusammengesetzt.

Ein uraltes Metallverarbeitungsverfahren
Schon seit vorgeschichtlicher Zeit kennt man den Guss in Formen, die aus zwei oder mehreren Teilen bestehen. Zum Gießen von Hohlkörpern wird auch hier wieder ein Kern aus Ton verwendet. Charakteristisch für den Formguss sind Gussnähte, die allerdings nachträglich retuschiert werden. Auch andere tribale Gruppen wie die Kondh, die Garhwa, Madia und Santhal, welche in Teilen von Orissa, Madhya Pradesh und Chattisgarh leben, beherrschen diese Kunstform.

Lebensgroße Figuren
Der Metallguss in verlorener Form ist ein uraltes Verfahren, das bereits zur Zeit der Industalkultur bekannt war. Zur Zeit der mittelalterlichen Chopla-Dynastie in Südindien
erreichte das Metallgussverfahren mit der Schöpfung lebensgroßer figuraler Bronzen seinen künstlerischen Höhepunkt. Heute wird die Dhokra-Kunst in erster Linie mit Bastar – dem tribalen Herzland Chattisgarhs – in Verbindung gebracht.

Regionale Besonderheit
Charakteristisch für die Kunsthandwerker aus Bastar sind die kreuzweise übereinander gelegten Wachsfäden auf dem Lehmmodel, um der zu gießenden Figur ein netzartiges
Aussehen zu verleihen. Die Gussbilder verkörpern tribale und hinduistische Gottheiten, Reiter zu Pferde oder auf Elefanten, figurale Darstellungen von Tieren und Menschen bei der Ausübung verschiedener Tätigkeiten.

Literaturhinweise: 1. Barnard, Nicholas. (1993). Arts and Crafts of India. London: Conran Octopus. 2. Bolon, Carol Radcliffe, and Amita Vohra Sarin. (1992). Bastar Brasses. Asian Art V (3, Summer): 35-51. 3. Cooper, Ilay, and John Gillow. (1996). Arts and Crafts of India. London: Thames and Hudson. 4. Sen, Prabhas. (1994). Crafts of West Bengal. Ahmedabad: Mapin Publishing Pvt. Ltd. and Middletown, NJ: Grantha Corporation. 5. Shah, Shampa. (Ed.). (1996). Tribal Arts and Crafts of Madhya Pradesh. Ahmedabad: Mapin Publishing Pvt. Ltd.

 

IKAT - Technik und Herstellungsverfahren

IkatIkat – eine Reserve-Musterungstechnik

Ikat ist eine in Asien weit verbreitete Musterungstechnik mit langer Tradition. Ikat leitet sich von dem indonesischen Wort „ikat“ (Bündel) bzw. „mengikat“ (abbinden) ab und bezeichnet eine komplizierte und aufwendige Reserve-Musterungstechnik.
Musterung und Färbeprozess erfolgen vor dem Weben. Dabei wird das noch ungefärbte Garn aufgespannt und dem Muster entsprechend stellenweise abgebunden. Beim Färben bleiben somit die abgebundenen Stellen ungefärbt. Durch mehrmaliges Abbinden und Färben entsteht ein mehrfärbiges kompliziertes Muster.

Der Färbeprozess wird in der Regel mit der dunkelsten Farbe, z.B. Indigo begonnen. Für den nächsten Färbedurchgang löst man jene Stellen, die die hellere Farbe erhalten sollen usw. Nach dem Färbeprozess wird schließlich das Garn auf den Webstuhl aufgespannt und das Muster wird beim Weben erkennbar. Da an den Enden der Abbindung ein wenig Farbe eindringen kann, sind verlaufende Farben im Muster ein Kennzeichen der Ikattechnik.

Kettikat, Eintragsikat und Doppelikat
Die Musterung kann entweder auf den Kettfäden (Kettikat), den Eintragsfäden (Eintragsikat) oder sowohl Eintrags- als auch Kettfäden (Doppelikat) angebracht werden. Beim Doppelikat handelt es sich um ein äußerst kompliziertes Verfahren, bei dem die Musterungen auf Kette und Eintrag genau aufeinander abgestimmt sind. In Indonesien wird der Doppelikat nur in einem einzigen Dorf in Bali (Tenganan Pergeringsinan) hergestellt.
In Indonesien scheint der Kettikat die älteste Ikattechnik zu sein und wird vor allem aus Baumwolle hergestellt. Der Eintragsikat hingegen ist in Küstenregionen, in höfisch dominierten Gesellschaften mit Handelsbeziehungen zum asiatischen Festland gebräuchlich, häufig wird Seide verwendet.

Endek – Balinesische Ikatstoffe
Einige Ikatstoffe im Angebot von Talking Textiles stammen aus der indonesischen Insel Bali. Es handelt sich hierbei um einen Eintragsikat, der in Bali „Endek“ genannt wird. Endek-Stoffe waren lange Zeit ein Privileg der balinesischen Fürstenfamilien und wurden als Hüfttücher, Brusttücher oder Schultertücher verwendet. Zusätzliche Verzierung mit Songket-Mustern, teure importierte Rohstoffe wie Seide, Farbstoffe, Gold- und Silberfäden, steigerten den Wert dieser Prestige-Textilien. Die Musterungen der Endek-Textilien waren vielfältig: geometrische Motive, Patola-Muster, stilisierten Blüten bis hin zu figürlichen Darstellungen und Tiermotiven sowie Darstellungen von Göttern und Dämonen.

Heute ist die Endek-Produktion und Verwendung schon lange nicht mehr an die Fürstenhofe gekoppelt, vielmehr ist Endek heutzutage bei allen Bevölkerungsschichten unter anderem als traditionelle Festtagsbekleidung beliebt. In zahlreichen großen und kleinen Manufakturen sowie in Heimarbeit werden heute nicht nur einzelne Tücher, sondern auch Meterware hergestellt. Der kreativen und handwerklichen Begabung der balinesischen Bevölkerung ist einerseits eine Vielfalt an neuen Motiven zu verdanken, andererseits wird ebenso auf alte balinesische oder sogar ostindonesische Motive zurückgegriffen.

Neben indonesischen Ikat-Textilien finden Sie bei Talking Textiles ebenso prachtvolle Seidensaris aus Orissa (Indien), die in der Ikat-Technik hergestellt wurden sowie Schals, Stolen und Wandbehänge aus Laos und Thailand, wo die Ikat-Technik Mat Mii genannt wird.

 

Wollprodukte

Weberin bei der ArbeitUnsere Wollprodukte kommen ausschließlich aus den Himalaja-Regionen Spiti & Lahaul, Kumaon & Garhwal und aus dem Kullu-Tal in Himachal Pradesh.

Die Schals, Stolen, Decken und Teppiche sind am Handwebstuhl gefertigt. Die Wolle stammt von tibetischen Schafen, Merinoschafen, Angorahasen, Kaschmir-Ziegen und Yaks. Alle wollverarbeitenden Prozesse wie das Scheren, Waschen, Sortieren, Spinnen, Färben, Weben und Besticken werden in Handarbeit ausgeführt. Es werden ausschließlich lokale Produkte verwendet, die Produktionsprozesse sind umweltfreundlich.

Der Verkauf dieser hochwertigen Wollprodukte verschafft hunderten von WeberInnen in dutzenden Dörfern ein regelmäßiges Einkommen. Verschiedene Kooperativen wie AVANI, BHUTTICO, KHADI oder THE MANU WEAVERS WELFARE SOCIETY kümmern sich um die Qualitätskontrolle, die Produktentwicklung, um den Nachschub an Rohwolle und unterstützen die WeberInnen beim Marketing.

Kleine, dezentralisierte Produktionsstätten erlauben den WeberInnen, sich wie gewohnt um ihren Haushalt, die Kinder, die Nutztiere und Felder zu kümmern.

Mit Ihrem Einkauf unterstützen Sie die Erhaltung einer lebendigen bäuerlichen Tradition.

 

Cashmere/Kaschmir

Cashmere SchalDas exquisite Fell der Kaschmirziege
Die Kaschmirwolle (engl. "Cashmere") ist eine feine und sehr weiche Faser, die gegen Ende des Winters durch Kämmen aus dem Unterfell der Kaschmirziege (auch Himalajaziege oder Tibetziege genannt) gewonnen wird. Ihr Name ist von der Region Kaschmir (Nordindien) abgeleitet.

Eines der wertvollsten und teuersten Naturtextilien
Kaschmir ist eine der wertvollsten und teuersten Naturtextilien überhaupt. Der gewonnene Ertrag pro Tier und Jahr liegt bei 150 - 200 Gramm, also in etwa einem Schal pro Jahr. Der Wärmeaustausch der Kaschmirwolle ist so gering, dass es die Bergziege bei Temperaturen von bis zu -30 °C immer noch warm hat und somit in einer der kältesten Klimaregionen unserer Welt überleben kann.

Feinste und äußerst hochwertige Wolle
Neben der natürlichen Knappheit und der aufwändigen manuellen Gewinnung dieses Rohstoffes tragen nicht minder die Feinheit (ca. 1/6 des Durchmessers eines menschlichen Haares) und Weichheit eines jeden einzelnen Haares sowie deren thermische Eigenschaften zu einem entsprechend hohen Preis bei.

Edle Schals und Stolen
Bei Talking Textiles finden Sie eine große Auswahl an edlen Schals und Stolen aus reinem Cashmere.

 

Seide

SeidenkokonsDer begehrte Faden des Seidenspinners
Der flugunfähige Seidenspinner (Bombyx mori) ist ein domestizierter Schmetterling, der die beste Seide erzeugt. Beim Heranwachsen fressen die Seidenspinner-Raupen jede Menge Maulbeerblätter. Wenn die Raupen ihre optimale Größe erreicht haben, beginnen sie einen Kokon zu spinnen. Die äußere Hülle des Kokons besteht aus einem lockeren Seidengespinst, während das Innere aus einem einzigen Faden gemacht ist, der bis zu 1500 m lang sein kann. Die Seide ist das Produkt der Ausscheidung von Nahrungsresten der Seidenraupe, für die zwei Drüsen verantwortlich sind.

Die Verarbeitung des Seidenfadens
Der Seidenfaden wird durch das Abhaspeln der Kokons gewonnen. Mehr als zehn Kilogramm Kokons werden für ein Kilogramm Seidenfaden benötigt.
Vor dem Spinnen werden die Seidenfäden noch weiter veredelt, gebleicht, gefärbt und gezwirnt.

Prächtige Vielfalt
Durch unterschiedliche Webverfahren entstehen verschieden Seidenarten wie Chiffon, Taft und Satin.
Wildseide wie z.B. Tussahseide, wird aus den Kokons bereits geschlüpfter Schmetterlinge gewonnen. Beim Schlüpfen hinterlassen sie ein Loch, das den Faden in viele Teile zerreißt. Beim anschließenden Verweben werden die Fäden verdickt, wodurch die charakteristische unregelmäßig-noppige Textiloberfläche entsteht.

Weltberühmte indische Seiden
Indien ist heute eines der wichtigsten Erzeugerländer für schillernde Seidentextilen und prachtvolle Brokate. In Indien werden vier Seidenarten hergestellt: Mulberry, Tussah (auch Tussar geschrieben), Eri und Muga.
Für Mulberry fressen die Seidenraupen Blätter des Maulbeerbaums. Eine Speisefolge aus Sal- und Eichenblättern ergibt Tussah-Seide. Die cremefarbene Eri-Seide stammt von den Raupen, die auf Rizinusstauden leben. Die seltene, goldschimmernde Muga-Seide wird durch die Fütterung mit Blattwerk des Som bzw. Soalu-Baumes, einem Verwandten des Lorbeers, erreicht. Muga-Seide wird nur in Assam und in Kumaun hergestellt.

Pflegeempfehlung: chemische Reinigung oder sanfte Handwäsche

 

Keramik/Blue Pottery

KeramikschüsselBlue Pottery – leuchtend blaue Keramik aus Jaipur
Blue Pottery/ Blaue Keramik ist ein traditionelles Kunsthandwerk in Jaipur, Indien, dessen Ursprung in der persischen und türkischen Tradition liegt.
Der Geschichte nach versammelte Sawa Jai Singh I, als er im Jahre 1727 die Stadt Jaipur gründete, Kunsthandwerker aus dem ganzen Land um sich und förderte großzügig künstlerische und kunsthandwerkliche Entwicklungen. Bereits im 19.Jahrhundert war Jaipur ein blühendes Zentrum für Kunst und Kultur, und Blue Pottery war ein wichtiger Teil davon.

Landflucht gefährdet die traditionsreiche Keramikherstellung
Im 20.Jahrhundert allerdings drohte dieses Kunsthandwerk, das in den Dörfern rund um Jaipur hergestellt wird, in Vergessenheit zu geraten: Armut in den ländlichen Regionen veranlasste die Bevölkerung in die Städte abzuwandern und das dörfliche Leben mit seinen Traditionen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen hinter sich zu lassen.

Die Wiederbelebung der Blue Pottery schafft Einkommen für die Dorfbevölkerung
In den 70er Jahre schließlich wurde Neerja gegründet. Ziel war es, die kunsthandwerkliche Tradition der Blue Pottery (von der die Gründerin von Neerja so besonders fasziniert war) wieder zu beleben und die Dorfbevölkerung dabei zu unterstützen ihre Produkte zu vermarkten, den DorfbewohnerInnen Einkommen damit zu verschaffen und die Abwanderung in die städtischen Slums zu verhindern.
Mit neuen Ideen und neuen Designs schließlich hatte Neerja Erfolg. Heute unterstützt Neerja durch die Vermarktung ihrer Produkte tausende TöpferInnen und deren Familien in den Dörfern um Jaipur. Herausragende Qualität, ansprechende Designs und innovative Produkte haben Neerja internationale Anerkennung sowie zahlreiche Preise eingebracht. Neerja Blue Pottery aus Jaipur bei Talking Textiles!